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02.10.2026
09:54 Uhr
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Private Vermögen sind zwischen Ost und West sehr ungleich verteilt. Die Kluft droht weiter zu wachsen. Es sei denn, die Politik ändert etwas Grundlegendes.

Die vergangenen 36 Jahre waren wirtschaftlich eine große Erfolgsgeschichte für Ostdeutschland, auch wenn häufig der gegenteilige Eindruck vermittelt wird. Beschäftigung, Löhne, Einkommen und Lebensstandard haben sich fast überall im Osten dem Westen angenähert. Zwar liegt das durchschnittlich verfügbare Einkommen pro Kopf im Osten noch immer etwas unter dem im Westen. Dafür sind die Lebenshaltungskosten in vielen Regionen Ostdeutschlands geringer, und manche erfolgreiche Region im Osten, sei es Leipzig, Dresden oder Jena, hat ein höheres Pro-Kopf-Einkommen und einen höheren Lebensstandard als viele westdeutsche Regionen. Eine große Ausnahme stellen jedoch die privaten Vermögen dar: Viele Menschen in Ostdeutschland haben keine nennenswerten Ersparnisse. Eine große Zahl von ihnen hängt vom Sozialstaat ab und sorgt sich verständlicherweise entsprechend stark vor Kürzungen. Die Politik muss dieses Problem lösen, wenn sie Eigenverantwortung, Demokratie und Chancen für Menschen im Osten stärken will. Lange Zeit waren die privaten Vermögen – Immobilieneigentum, Eigentum an Unternehmen und Finanzvermögen – ein blinder Fleck in diesem Diskurs. Vermögen wirkt sich nicht unmittelbar auf den Lebensstandard der Menschen aus. In einer alternden Gesellschaft mit einem unter Druck stehenden Sozialstaat gewinnen private Vermögen jedoch eine essenzielle Rolle: Sie schaffen Sicherheit und eröffnen Freiheiten, wichtige Entscheidungen im Leben selbst bestimmen zu können – von Konsumentscheidungen über die Absicherung der Kinder und Enkelkinder bis hin zur Entscheidung über den Wohnort und die Pflege im Alter. Auch deshalb wirken sich höhere Vermögen stärker auf die Zufriedenheit aus als steigende Gehälter, wie die Glücksforschung zeigt . Sehr viele Haushalte im Osten besitzen fast nichts Und bei den privaten Vermögen ist der Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland enorm. 35.900 Euro betrug 2023 der Median des Nettovermögens in Ostdeutschland, also das Vermögen des Haushalts genau in der Mitte der Verteilung, im Vergleich zu 143.200 Euro im Westen. Beim Durchschnitt ist die Lücke kleiner: 170.100 Euro im Osten stehen 364.900 Euro im Westen gegenüber. Das zeigen die aktuellen Daten der Vermögensbefragung der Deutschen Bundesbank . Hinzu kommt eine deutlich höhere Ungleichheit der privaten Vermögen innerhalb von Ostdeutschland. Sehr viele Haushalte dort besitzen fast gar nichts. Dies dokumentiert eine Studie des DIW Berlin ; auch der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung untersucht die hohe Vermögensungleichheit und ihre Ursachen. Nur 29 Prozent der ostdeutschen Haushalte verfügen über Wohneigentum, gegenüber 45 Prozent der westdeutschen. Auch Unternehmensvermögen ist deutlich seltener vorhanden. Gleichzeitig spielt Finanzvermögen für ostdeutsche Haushalte eine größere Rolle, während Immobilien und Unternehmensvermögen im Westen stärker ins Gewicht fallen. Die Ursache dafür liegt zum einen in den unterschiedlichen Ausgangsbedingungen und zum anderen in politischen Entscheidungen nach der Wiedervereinigung. So wurden in Ländern wie Ungarn, Polen oder der Slowakei Wohnungen nach der Auflösung der Sowjetunion in großem Umfang an ihre Bewohner übertragen. In Ostdeutschland verblieben sie häufiger im Besitz von Wohnungsunternehmen oder wurden von Investoren gekauft. Viele ehemalige Treuhandunternehmen, gerade die größeren, wechselten in den Besitz westdeutscher oder ausländischer Eigentümer. Die langfristigen Folgen dieser Eigentumsstrukturen untersucht unter anderem eine Studie zu Familienunternehmen in den neuen Bundesländern . Die Strategie der Bundesrepublik Deutschland war es, die ostdeutschen Länder vor allem in Bezug auf Einkommen, soziale Absicherung und öffentliche Transfers an die westlichen anzugleichen. Eine breitere Übertragung von Immobilien- und Unternehmenseigentum hätte den Ostdeutschen mehr Vermögen ermöglicht und damit mehr Eigenverantwortung. Zugleich weisen manche zu Recht darauf hin, dass die Rentenanwartschaften von Menschen in Ostdeutschland, vor allem von ostdeutschen Frauen, vergleichsweise vorteilhaft sind. Dies liegt vor allem an längeren Erwerbsbiografien und der früheren Aufwertung niedrigerer ostdeutscher Löhne bei der Rentenberechnung. Dies zeigt eine DIW-Studie zu Rentenanwartschaften . Ein zweiter zentraler Grund für die Ungleichheit ist und bleibt das deutsche Steuersystem. Denn es gibt kaum ein Land in der Welt, das Arbeit stärker und gleichzeitig Vermögen geringer besteuert. Deutschland hat innerhalb der OECD eine der höchsten Steuer- und Abgabenbelastungen auf Arbeit. Steuern auf Vermögen spielen dagegen eine vergleichsweise geringe Rolle. Die OECD empfiehlt Deutschland daher schon lange, die Belastung von Arbeit zu reduzieren und die von Immobilien, Erbschaften und anderen Vermögenssteuern zu erhöhen.