Zeit 08.10.2026
16:00 Uhr

Vierte Zwischenbilanz: Bistum Trier: Hunderte Missbrauchsopfer in Nachkriegszeit


Vierte Zwischenbilanz: Bistum Trier: Hunderte Missbrauchsopfer in Nachkriegszeit
Zur Aufarbeitung sexueller Gewalt im Bistum Trier haben Forschende ihre vierte und letzte Zwischenbilanz vorgelegt. «Unter den Bischöfen Franz Rudolf Bornewasser (1946-1951) und Matthias Wehr (1951-1966) wurden insgesamt 335 Betroffene von sexualisierter Gewalt durch Welt- und Ordensgeistliche im Bistum Trier identifiziert, überwiegend Kinder und Jugendliche», teilte die Universität Trier zum Zeitraum 1946 bis 1966 mit. Zudem ermittelte das Projektteam 123 Beschuldigte. «Auffällig milde» Die Zahlen teilen demnach sich auf 92 Betroffene und 28 Beschuldigte unter Bornewasser sowie 243 Betroffene und 95 Beschuldigte unter Wehr auf. «Zu berücksichtigen ist, dass Bornewasser 1946 bereits seit 24 Jahren das Bistum leitete, sodass die Untersuchung nur einen Teil seiner Amtszeit abdeckt», hieß es. «Damit vergrößert sich das Hellfeld für den gesamten Untersuchungszeitraum von 1946 bis 2021 auf insgesamt 252 Beschuldigte und 782 Betroffene.» Ungewöhnlich sei im Vergleich mit bisherigen Bistumsstudien, dass unter Bornewasser zu 50 Prozent Mädchen betroffen waren, hieß es. Unter Wehr waren es wie in der Folgezeit zu zwei Dritteln Jungen. Die Entscheidungsgewalt über den Umgang mit Beschuldigten und Tätern lag demnach in der Regel beim Generalvikar. «Unter Bornewasser war es Heinrich von Meurers, unter Wehr Peter Weins, die auffällig milde mit Beschuldigten umgingen. Konsequenzen blieben ganz aus oder bestanden aus Versetzungen, in Ausnahmefällen ins Ausland, wo sie der deutschen Strafverfolgung entzogen waren.» Abschlussbericht soll Ende November vorliegen Überhaupt seien die untersuchten 20 Jahre «geprägt von einem ausgesprochen milden Umgang der Bistumsverantwortlichen mit beschuldigten Priestern und Ordensleuten», teilte die Universität mit. Es habe eine Vertuschung und Geheimhaltung bekanntgewordener Fälle und Meldungen gegeben. Uni-Präsidentin Eva Martha Eckkrammer lobte die Arbeit des Projektteams. «Angesichts des aus den Quellen deutlich werdenden Leids der Betroffenen und den strukturellen Defiziten im Umgang mit Missbrauchsfällen gerade in der nun beleuchteten Phase ab 1946 ist das Beibehalten der analytischen Perspektive sicher nicht immer leicht gewesen.» Ein Abschlussbericht zum Zeitraum 1946 bis 2021 soll voraussichtlich Ende November 2026 vorliegen. © dpa-infocom, dpa:261008-930-810380/1