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12.03.2026
15:31 Uhr
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KI-Pionier Yann LeCun stellt sein neues Start-up vor. Wegen Personalmangels will die Berliner Polizei auf KI-Kameras setzen. Und: Was kann GPT-5.4? Der KI-Newsletter

Sie lesen den KI-Newsletter " Natürlich intelligent " vom 12. März 2026. Um den Newsletter jeden Donnerstag per Mail zu erhalten, melden Sie sich hier an . Unnötig Zeit zu verplempern, kann stressen. Besonders geärgert haben dürfte sich in dieser Woche so manch ein Autofahrer, der in der Nähe von Leverkusen unterwegs war. Dort zeigte Google Maps eine Sperrung der A1 an. Das führte zu langen Staus im Feierabendverkehr. Nur: Die Sperrung gab es bereits seit dem Wochenende nicht mehr. Grund für die fehlerhafte Meldung war ein "technisches Problem", teilte ein Google-Sprecher mit. Vermutlich ist da im Hintergrund beim automatischen Berechnen des Verkehrsverlaufs etwas schiefgegangen. Automatische Systeme können sich eben irren. Und das bei den momentanen Spritpreisen. Das müssen Sie wissen: LeCun stellt sein neues KI-Unternehmen vor Yann LeCun hat in Paris sein neues KI-Start-up vorgestellt, AMI ( Advanced Machine Intelligence ) Labs heißt es. LeCun ist ein Promi in der KI-Welt: 2013 kam er als KI-Chefwissenschaftler zum Facebook-Konzern und leitete viele Jahre dessen KI-Abteilung Facebook AI Research (FAIR). Im November vergangenen Jahres gab LeCun dann auf LinkedIn bekannt, Meta zu verlassen. Der Konzern habe sich zuletzt auf große Sprachmodelle konzentriert und kurzfristigen Zielen Vorrang gegeben, kritisierte er jetzt in einem Interview mit dem Handelsblatt . Große Sprachmodelle seien "keine wirklich intelligenten Systeme", bemängelt LeCun, weil sie nicht in der Lage seien, die beste Lösung unter mehreren zu finden. Mit AMI Labs will LeCun stattdessen die Erforschung sogenannter Weltmodelle ( World Foundation Models ) vorantreiben, die physikalische Zusammenhänge verstehen und mit der echten Welt interagieren sollen. Das könnte beispielsweise zu entscheidenden Fortschritten in der autonomen Robotik führen. In einer ersten Finanzierungsrunde sammelte das Unternehmen bereits 890 Millionen Euro ein. Damit ist AMI (gesprochen wie das französische ami, auf Deutsch: Freund) schon jetzt eines der wertvollsten KI-Start-ups in Europa. Damit verfolgt LeCun einen anderen Ansatz als viele andere KI-Unternehmen. In der New York Times hatte er den Branchengrößen des Silicon Valley, die momentan versuchen, mit mehr Rechenkapazitäten ihre Modelle weiterzuentwickeln, einen "Herdentrieb" vorgeworfen. Sie ließen kaum Raum für andere Ansätze, die langfristig vielversprechender sein könnten. Darüber sollten Sie nachdenken: Führen KI-Kameras wirklich zu mehr Sicherheit? In Berlin könnten künftig mehr Videokameras mit künstlicher Intelligenz zum Einsatz kommen, der bisherige Einsatzbereich soll ausgeweitet werden . Bislang gibt es die Kameras am Kottbusser Tor, Alexanderplatz und Görlitzer Park, alle drei sind sogenannte kriminalbelastete Orte, im Verwaltungssprech kbO . Das sind Plätze, an denen die Berliner Polizei "personenbezogene Daten" erheben darf, weil dort besonders häufig Straftaten begangen werden. Künftig soll die Videoüberwachung auch das angrenzende Rote Rathaus, das Abgeordnetenhaus und die Senatsverwaltung für Inneres am Alten Stadthaus umfassen. Auf knapp 2,1 Millionen Euro schätzt die Stadt Berlin die jährlichen Kosten. Das geht aus der Ausschreibung hervor. Grund für die Ausweitung ist der Personalmangel bei der Berliner Polizei. Derzeit müssten 400 voll ausgebildete Polizisten die zahlreichen Wachleute unterstützen. Das könne kein Dauerzustand sein, sagte Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel im Innenausschuss der Stadt am Montag. Moderne, zukunftsfähige Technik müsse diese Schutzaufgaben unterstützen. "Nur mit Manpower wird das nicht mehr gehen", sagte Slowik Meisel. Biometrische Daten und Identitäten von Menschen würden nicht erfasst, stattdessen soll es um eine "KI-gestützte Verhaltensmuster-Erkennung" gehen. Das erinnert stark an ein System, das die Stadt Mannheim bereits seit Längerem nutzt . Dort werden keine Gesichter von Personen analysiert, sondern deren Bewegungsabläufe gescannt. Deutet das Verhalten eine Straftat an , etwa eine Prügelei, schlägt das System Alarm. Danach prüfen Polizisten vor den Bildschirmen im Lagezentrum, ob sie einen Streifenwagen losschicken oder nicht. Unter so ein verdächtiges Verhalten soll in Berlin beispielsweise das Betreten gesperrter Bereiche, das Klettern auf Zäune oder "langes Verharren oder Umhergehen ohne Anlass" fallen. Videoüberwachung kann das subjektive Sicherheitsempfinden von Bürgerinnen und Bürgern steigern. Befürworter argumentieren, dass die Kriminalität an den überwachten Orten zurückgeht. Allerdings ist die Polizei dort oft sehr viel präsenter als an anderen Plätzen. Und es kann zu Fehlalarmen kommen: Wie ein Forscher sagt, könne KI Würgeangriffe nicht zuverlässig von Umarmungen unterscheiden . Das können Sie ausprobieren: GPT-5.4 Vergangene Woche hat OpenAI GPT-5.4 vorgestellt . Das neue Sprachmodell lässt sich bereits in ChatGPT (als GPT-5.4 Thinking) testen. GPT-5.4 soll erstmals Reasoning, Coding und agentische Workflows in einem Modell kombinieren. Nutzer können die KI jetzt unterbrechen, also mitten im Antwortprozess den Kurs des Modells ändern. Außerdem gibt OpenAI an, die Webrecherche verbessert und die Halluzinationen reduziert zu haben. GPT-5.4 sei das bislang "faktentreuste" Modell, wirbt das US-Unternehmen. Das haben wir natürlich direkt einmal ausprobiert. Vielleicht erinnern Sie sich noch? Als OpenAI GPT-5 veröffentlichte, schaffte es die KI nicht, fehlerfrei aufzuzählen, wie häufig der Buchstabe "b" im Wort blueberry vorkam ( damals kam es auf drei ). GPT-5.4 gelingt das hingegen problemlos. Zudem widersprach es der Aussage, dass der parteilose Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, die Landtagswahl am Wochenende gewonnen habe und nun Manuel Hagel von der CDU neuer Ministerpräsident von Baden-Württemberg werde. Hagel habe die Wahl nicht gewonnen, korrigierte die KI. Und über eine mögliche Rolle Palmers in der Landespolitik werde noch spekuliert, gibt GPT-5.4 richtigerweise an. Eine KI, die Gerüchte als solche identifiziert und einordnet, mag vielleicht noch nicht der Durchbruch auf dem Weg zu einer menschenähnlichen Intelligenz sein, hat aber in diesen Tagen doch etwas Beruhigendes.