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05.10.2026
15:16 Uhr
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Kein Internet, keine Tankstellen, und nun? In Kiel kann man beobachten, wie sich Städte darauf vorbereiten, auch in Notfällen die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten.

Binnen Sekunden gehen die Lichter aus. Dann versagen Handyempfang, Internet, Kühlschränke, Geldautomaten. 24 Stunden später schließen die Supermärkte. Tankpumpen fallen aus, Lkw stehen still. Kurz darauf tropft das letzte Wasser aus den Hähnen. Nach etwa 48 Stunden beginnen die ersten Plünderungen. Das Hörbuch habe ihn »wachgerüttelt«, sagt Markus Brandau über den apokalyptischen Thriller Blackout , der vor 14 Jahren erschienen ist. In der Geschichte lässt ein Stromausfall, ausgelöst durch einen Cyberangriff, binnen Tagen die öffentliche Ordnung zusammenbrechen. Damals seien solche Szenarien weit weg gewesen, sagt Brandau. Heute sind sie Teil seines Alltags. Täglich gibt es hybride Angriffe, die Sicherheitslage hat sich drastisch verändert. »Aber es ist meine Aufgabe«, sagt er, »dass solche Ereignisketten nicht ungebremst ablaufen.« Brandau leitet Amt 13 in Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt Kiel, zuständig für Feuerwehr, Rettungsdienst, Katastrophenschutz. Und auch für eine Aufgabe, die nach dem Ende des Kalten Kriegs kaum noch Bedeutung hatte: die zivile Verteidigung. Der 45-Jährige soll dafür sorgen, dass seine Großstadt auch im Notfall weiter funktioniert. Nach Anschlägen auf die kritische Infrastruktur – oder, im schlimmsten Fall, im Krieg. Militärisch sei Kiel ein »Hochwertziel«, sagt Brandau Der Schutz der Zivilbevölkerung vor äußeren Gefahren ist Aufgabe des Bundes. Organisieren aber müssen ihn vor allem die Kreise und Städte. Sie sollen Notunterkünfte bereitstellen, die Versorgung sichern, im Ernstfall auch die Bundeswehr unterstützen. Verteidigungsfähigkeit entscheidet sich nicht allein durch Artilleriegranaten und Drohnen. Sondern auch daran, ob die Bevölkerung geschützt ist. Ob Wasser aus den Leitungen kommt. Ob die Behörden arbeiten können. Im Juni veröffentlichte das Bundesamt für Bevölkerungs- und Katastrophenschutz einen »Wegweiser zur Zivilen Verteidigung in Kommunen«, mit neun verschiedenen Szenarien, auf die sich die Städte und Gemeinden vorbereiten sollen. Vom tagelangen Stromausfall über Cyberangriffe, bis hin zum konventionellen militärischen Angriff. An einem Mittwoch im Juli fährt Brandau in seinem feuerwehrroten Dienstwagen an der Kieler Förde entlang. Hier ahnt man, warum er seine Stadt für gefährdet hält. In riesigen grauen Werfthallen baut der Rüstungskonzern TKMS eine neue U-Boot-Klasse für Deutschland, Norwegen und Kanada. 16 Rüstungsfirmen produzieren insgesamt in Kiel. Militärisch sei die Stadt ein »Hochwertziel«, sagt Brandau. Zusätzlich zum schon bestehenden Marinestützpunkt verlegt die Bundeswehr ein Seebataillon nach Kiel. Und im Mai verkündete Bundesverteidigungsminister Pistorius, in der Landeshauptstadt solle ein neues Innovationszentrum für die Verteidigung auf See entstehen. »Als die Entscheidung kam«, sagt Brandau, »hat sich das angefühlt, als würden wir ein Stück weiter an eine mögliche Frontlinie gerückt.« Brandau hat oft ein Lächeln auf den Lippen, macht gern einen Witz. »Eigentlich ist es nicht meine Art, in Katastrophenszenarien zu denken.« Im Gespräch rutscht er im 30-Sekunden-Takt von der Stuhlkante wieder nach hinten, trommelt nervös mit den Fingern auf der Tischplatte. »Als sie mich hier eingestellt haben, da hat schon der eine oder andere gestutzt: Was wollen wir denn mit so einem Hippeligen aus dem Süden?«, lacht er.